Corona als Stresstest
Wie Sie mit SWOT das meiste aus der Krise machen.
13 Oktober, 2020 durch
Kirill Polenov

Viele Unternehmen sind während Corona in einer tiefen Krise, anderen geht es besser. Doch wie kriegt man selbst aus dieser Situation das meiste raus?

Jede neue Situation bedeutet auch neue Ansichtsweisen. So kann man die Zeit nutzen, um Schwachstellen und Verbesserungspotenziale im eigenen Unternehmen zu erkennen. 

Strukturierter Einblick statt nach Gefühl.

Sie haben bestimmt schon von der SWOT-Analyse gehört. Meistens wird sie bei der Business-Planung verwendet, um einen Rundum-Blick eines Unternehmens zu bekommen.

SWOT steht für:

  • Strengths (Stärken)

  • Weaknesses (Schwächen)

  • Opportunities (Chancen)

  • Threats (Bedrohungen)


Somit deckt die Analyse alle relevanten Aspekte der Unternehmenssituation ab und dient auch dazu, Veränderungen zu erkennen.

SWOT - Aber wie?

Ziel ist es, eine Situationsanalyse durchzuführen, um durch die Krise entstandene Veränderungen offenzulegen. Dafür ist es wichtig, dass Mitarbeiter aus allen Bereichen des Unternehmens ihren Beitrag zur Analyse machen können. Das geht am einfachsten in einem Brainstorming-Meeting, wo sich Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen einbringen können. 

Hier ist wichtig zu zwischen internen und externen Faktoren zu unterscheiden, um zu wissen, in welchen Bereich die Ideen eingetragen werden sollen.

Strengths & Weaknesses sind interne Faktoren, da sie mit der Organisation, den Ressourcen und natürlich auch mit den Mitarbeitern des Unternehmens verbunden sind. 

Opportunities & Threats sind hingegen externe Faktoren, die aus dem Markt, der Konkurrenz und der allgemeinen wirtschaftlichen Lage entstehen.


Lassen Sie uns die einzelnen Kategorien im Detail durchgehen:

Stärken/Strengths

Was hat im Unternehmen trotz Krise gut funktioniert? Was brachte einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz? Denken Sie darüber nach, was Ihnen einen Vorteil am Markt verschafft. Das kann die Motivation Ihrer Mitarbeiter, Zugang zu spezifischen Materialien, ein stabiles ERP-System oder solide Herstellungsprozesse sein.

Gerade in schwierigen wirtschaftlichen Momenten kommen Stärken zum Vorschein, denn man sieht, was auch unter Belastung standhält. Überlegen Sie zusammen mit einem Team, welche Stärken Ihr Unternehmen gezeigt hat, und tragen Sie diese in die Sektion "Strengths" ein.

Als nächstes sollte man sich bewusst von einer internen Ansicht distanzieren und aus der Perspektive von Mitbewerbern über das eigene unternehmen nachdenken. Denn oft sieht die Konkurrenz Stärken und Vorteile im eigenen Betrieb, die einem selbst nicht auffallen.

Behalten Sie im Kopf, dass ein Aspekt Ihres Unternehmens nur eine Stärke ist, wenn er einen klaren Vorteil bietet. Zum Beispiel: Wenn alle Ihre Mitbewerber Produkte in hoher Qualität bieten, dann ist ein hochqualitativer Unternehmensprozess keine Stärke, sondern eine Notwendigkeit.

Schwächen/Weaknesses

Als nächstes sind die Schwächen Ihres Unternehmens dran. Hier ist Ehrlichkeit wichtig. Eine SWOT Analyse wird nur einen Wert haben, wenn alle notwendigen Informationen korrekt gesammelt werden. Lieber gleich realistisch bleiben und auch unangenehme Faktoren analysieren.

Jedes Unternehmen hat Schwächen. Doch gerade in Krisenzeiten kommen oft neue Schwachstellen zum Vorschein, die erst durch eine Veränderte Situation erkenntlich sind. Sehen Sie sich im Detail Ihre Ressourcen, Mitarbeiter, Prozesse und Systeme an. Was kann verbessert werden? Was sollte in Zukunft vermieden werden?

Wie im vorigen Abschnitt, versetzen Sie sich hier in die Perspektive Ihrer Mitbewerber. Vielleicht sehen andere Schwächen in Ihrer Firma, die Ihnen selbst nicht auffallen. Nehmen Sie sich Zeit zu verstehen, wieso die Konkurrenz manches besser macht. Was fehlt im eigenen Betrieb?

Chancen/Opportunities

Chancen ermöglichen positive Veränderungen, verlangen jedoch auch Aufwand, um ausgenutzt werden zu können. Da sie meistens außerhalb des Unternehmens auftauchen, ist hier ein Auge für zukünftige Entwicklungen gefragt. Corona hat den Markt in fast jeder Branche verändert. Diese Veränderungen zu erkennen und sich zum Vorteil zu machen kann einen riesigen Unterschied im Unternehmenserfolg ausmachen.

Welche Chancen können Sie sofort erkennen? Es müssen nicht weltverändernde Aktionen sein. Selbst kleine Chancen können die Wettbewerbsfähigkeit steigern. So haben manche Unternehmen in der Krise erkannt, dass es neue Märkte und Zielgruppen für Ihre Produkte gibt.

Viele Sparten müssen mit neuen gesetzlichen Richtlinien zurechtkommen, doch auch hier gibt es oft einen Vorteil zu gewinnen. Man muss die Chancen nur sehen können.

Risiken/Threats

Was droht Ihrem Unternehmen? Ob es Probleme bei der Zulieferung, veränderte Marktanforderungen oder Mangel an Arbeitskräften ist - vieles wurde durch Covid plötzlich zu einem wesentlich relevanterem Problem als davor. Diese Risiken rechtzeitig zu erkennen und zu konfrontieren ist essenziell, um zu verhindern, dass das Unternehmenswachstum ihnen zum Opfer fällt.

Welche Hindernisse gibt es bei dem Verkauf und der Vermarktung Ihrer Produkte? Viele Geschäfte müssen wegen dem Virus mit wesentlich weniger Einkäufern rechnen und für Branchen wo persönliche Beratung notwendig ist, stellen sich auch neue Herausforderungen. Wer hier zögert und nicht handelt, setzt sich nicht nur Risiken aus, sondern verpasst auch die Chance, aus Risiken Chancen zu machen.

Natürlich kann auch die Konkurrenz ein Risiko darstellen. Andere Firmen nachzuahmen ist jedoch nicht immer der richtige Weg. Stellen Sie zuerst sicher, dass was ein Mitbewerber macht auch für Sie einen Vorteil bringt, bevor Sie handeln.

Für viele Firmen ist ein Mangel an Digitalisierung ein akutes Risiko. Ob Online-Handel, eine zentral zugängliche Datenbank oder die Möglichkeit von Zuhause zu arbeiten - ohne durchgängige Digitalisierung wird es in Zukunft nur schwieriger werden.


Im nächsten Artikel erklären wir, wie Sie anhand der erfassten Daten konkrete Ziele und Maßnahmen erarbeiten.




Kirill Polenov
13 Oktober, 2020
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