Nicht jeder Mitarbeiter braucht einen Odoo-Benutzer
Odoo Enterprise wird pro internem Benutzer abgerechnet — aber ein Großteil der Mitarbeiterprozesse läuft ganz ohne Login. Produktion, Lager, Außendienst, Kassa, Lehrlinge, Teilzeitkräfte und Saisonpersonal können in Odoo vollständig abgebildet sein, ohne je ein Passwort zu besitzen.
Diese Gruppen erstellen Tickets, beantragen Urlaub, erhalten Gehaltszettel, unterschreiben Verträge und lassen ihre Stunden erfassen. Möglich machen das vier Mechanismen: E-Mail-Aliase, öffentliche Webformulare, Kiosk-Oberflächen und der kostenlose Portal-Zugang.
Dieser Beitrag listet die Funktionen auf, die Odoo für Mitarbeiter ohne Login bietet — und benennt die Stellen, an denen die Grenze verläuft. Eine Warnung vorweg: Seit Odoo 20 heißt „ohne Login" nicht mehr automatisch „ohne Lizenz". Welche Funktionen weiterhin gratis sind und welche nicht, steht weiter unten. Die Angaben beziehen sich auf Odoo 18 bis 20.
Das Wichtigste in Kürze
- Deine Mitarbeiter brauchen keinen Odoo-Benutzer, um in Odoo vorzukommen. Tickets, Urlaub, Gehaltszettel, Zeiterfassung und Unterschriften laufen über E-Mail-Alias, Webformular, Kiosk und Portal.
- Bis Odoo 19 kostet das nichts.
- Ab Odoo 20 zählt jeder aktive Mitarbeitereintrag ohne aktiven internen Benutzer als Light User — Listenpreis 7,90 € pro Monat.
- Kostenlos bleibt, wofür kein Mitarbeitereintrag nötig ist: Tickets, Aufgaben, Wartungsanfragen, Chatter, eSign, Dokumenten-Uploads, Events, Umfragen, Bewerbungen und anonyme Webformulare.
- Verrechnet wird pro aktivem Mitarbeiter, nicht pro Funktion. Archiviere vor dem Upgrade alle Karteileichen im Mitarbeiterstamm.
- Für reine Kassenkräfte hat Odoo eine Ausnahme angekündigt.
Drei Zugangsstufen: interner Benutzer, Portal-Benutzer, kein Konto
Die Lizenzkosten entstehen ausschließlich auf der ersten Stufe. Wer die anderen beiden konsequent nutzt, bildet das gesamte Personal in Odoo ab und zahlt nur für die Backoffice-Rollen.
Zugangs-stufe | Kosten bis Odoo 19 | Kosten ab Odoo 20 | Login nötig | Typische Nutzung |
Interner Benutzer | lizenzpflichtig | lizenzpflichtig | ja | Buchhaltung, Einkauf, Vertrieb, HR, Projektleitung |
Light User | gibt es nicht | bis zu 7,90 €/Monat | ja | eigene Abwesenheiten, Spesen, Anwesenheiten, Planung, Barcode |
Portal-Benutzer | kostenlos | kostenlos für Kunden und Lieferanten; für Mitarbeiter als Light User verrechnet | ja, Portal-Passwort | Belege einsehen, Anfragen verfolgen |
Kein Konto | kostenlos | kostenlos, solange kein aktiver Mitarbeitereintrag besteht | nein | E-Mail, Webformular, Kiosk, PIN, Token-Link |
Entscheidend ist der Unterschied zwischen Mitarbeiter und Benutzer: Ein Datensatz in der Mitarbeiterverwaltung (hr.employee) existiert unabhängig von einem Benutzerkonto. Erst die Verknüpfung mit (res.users) macht daraus einen internen Benutzer — und erst dann wird eine Lizenz fällig.
Ohne Login heißt ab Odoo 20 nicht ohne Lizenz
Das ist die Unterscheidung, an der die meisten Aufstellungen im Netz scheitern. Die Frage „Was geht ohne Login?" und die Frage „Was ist kostenlos?" hatten bis Odoo 19 dieselbe Antwort. Ab Odoo 20 nicht mehr.
Die Enterprise Subscription Agreement in der Fassung vom 24. September 2026 definiert einen Light User als jedes aktive, als Light markierte Benutzerkonto — oder jeden aktiven Mitarbeitereintrag aus der Personal-App, der nicht mit einem aktiven Nicht-Portal-Benutzer verknüpft ist. Odoo 20 meldet dafür einen eigenen Zählwert an den Lizenzserver. Ein Mitarbeiterdatensatz ohne Login ist damit ab dem Upgrade kostenpflichtig.
Die Funktionsliste zerfällt dadurch in zwei Hälften.
Weiterhin völlig kostenlos, weil nur ein Kontakt nötig ist und kein Mitarbeitereintrag: Tickets, Aufgaben und Wartungsanfragen per Mail oder Webformular, Mitarbeit im Chatter per Mailantwort, Belegkopien als Follower, Produkte und Preise über die Website, eSign, angeforderte Dokumente hochladen, Event-Anmeldungen, Umfragen, Bewerbung und Recruiting-Prozess sowie anonyme Webformulare auf beliebige Modelle.
Setzt einen aktiven Mitarbeitereintrag voraus und wird ab Odoo 20 als Light User verrechnet: Lohnverrechnung und Gehaltszettel, Attendance Kiosk, Schichtpläne, Urlaubsanträge, Spesen und deren Rückerstattung, Stundenerfassung, Shop Floor, Lebenslauf und Skills, Organigramm, Aktivitätspläne, Mitarbeitergespräche, Homeoffice-Tage, Fahrzeug- und Equipment-Zuweisung sowie die Front-Desk-Benachrichtigung.
Entscheidend ist die Abrechnungslogik: Verrechnet wird nicht pro Funktion, sondern pro aktivem Mitarbeiter. Wer die Lohnverrechnung ohnehin in Odoo fährt, zahlt die 7,90 € und bekommt sämtliche HR-Funktionen dazu. Die kostenlose Liste spart deshalb nur dort Geld, wo gar kein Mitarbeitereintrag nötig ist: Subunternehmer, Bewerber, Besucher, Leiharbeiter und Mitarbeiter, die sich sauber deaktivieren lassen.
Eine Ausnahme ist in Arbeit: Fabien Pinckaers hat am 23. Oktober 2026 angekündigt, dass Mitarbeiter, deren einzige Tätigkeit die Kassa ist, künftig nicht mehr als Light User gelten sollen. Wer in Planung, Zeiterfassung oder Shop Floor auftaucht, bleibt verrechnet.
Für Odoo 18 und 19 gilt der Rest dieses Beitrags unverändert: Dort kostet ein Mitarbeiter ohne Benutzerkonto nichts.
Anfragen stellen: Tickets, Aufgaben, Wartung und Spesen per E-Mail
Jedes Helpdesk-Team, jedes Projekt und jedes Wartungsteam in Odoo hat einen eigenen E-Mail-Alias. Eine Mail an diese Adresse erzeugt automatisch den passenden Datensatz — Betreff wird Titel, Mailtext wird Beschreibung, Anhänge landen im Chatter.
- Helpdesk-Tickets: Mail an "[email protected]" oder Eingabe über das Webformular auf der Unternehmensseite.
- Projektaufgaben: Mail an den Projekt-Alias, etwa "[email protected]", legt die Aufgabe in der konfigurierten Stufe an.
- Wartungsanfragen: Mail an das Wartungsteam meldet eine defekte Maschine, inklusive Foto als Anhang.
- Spesen: Foto des Belegs an den Spesen-Alias schicken. Odoo liest Betrag und Datum per OCR aus und legt die Spesenabrechnung an.
Der Absender wird automatisch als Follower eingetragen und erhält jede Statusänderung per Mail. Entscheidend ist die Zuordnung: Stimmt die Absenderadresse mit der Arbeitsmail im Mitarbeiterdatensatz überein, ordnet Odoo die Anfrage der richtigen Person zu.
Zeit und Abwesenheit ohne Odoo-Zugang
Die Zeitwirtschaft ist der Bereich, in dem sich Lizenzen am deutlichsten einsparen lassen. Produktions- und Lagerpersonal braucht hier in der Regel überhaupt kein Konto.
Attendance Kiosk. Ein Tablet am Eingang läuft im Kiosk-Modus. Mitarbeiter stempeln per Badge, QR-Code oder vierstelligem PIN ein und aus. Angemeldet ist nur das Gerät, nicht die Person.
Stundenerfassung. Zeitaufzeichnungen können von der Teamleitung für andere erfasst werden. Alternativ erzeugt Odoo die Timesheet-Zeilen automatisch aus den Anwesenheiten oder aus abgeschlossenen Arbeitsaufträgen.
Schichtplanung. Geplante Schichten werden veröffentlicht und per Mail an die Mitarbeiter verschickt. Der Link in der Mail funktioniert über ein Token — ohne Login sieht die Person ihren Plan und kann offene Schichten annehmen oder ablehnen.
Homeoffice-Tage. Im Mitarbeiterdatensatz wird hinterlegt, an welchen Wochentagen jemand im Büro, im Homeoffice oder an einem anderen Standort arbeitet. Die Info erscheint im Teamkalender und auf der Mitarbeiterkarte.
Urlaubsanträge. Hier ist eine Entscheidung nötig: Entweder legt die Führungskraft den Antrag an, oder es wird ein Webformular auf (hr.leave) bereitgestellt. Die Genehmigung läuft in beiden Fällen über Buttons direkt in der Benachrichtigungsmail.
Lohnverrechnung und Personalakte
Die gesamte Personaladministration funktioniert ohne Benutzerkonto. Der Mitarbeiterdatensatz ist der Träger aller Informationen.
Gehaltsabrechnung. Mitarbeiter ohne Login nehmen vollständig an der Lohnverrechnung teil. Der Gehaltszettel wird als PDF generiert und automatisch per Mail an die hinterlegte Adresse verschickt. Mit Portal-Zugang liegen alle Abrechnungen zusätzlich im Archiv zum Download bereit.
Lebenslauf und Qualifikationen. Ausbildung, bisherige Stationen, Zertifikate und Ablaufdaten werden im Reiter Lebenslauf dokumentiert. Die Skills-Matrix hält Kompetenzen samt Niveau fest und bildet die Basis für Nachfolgeplanung und Schulungsbedarf.
Schulungshistorie. Absolvierte interne und externe Trainings bleiben am Mitarbeiter hinterlegt. Bei auslaufenden Zertifikaten erzeugt Odoo rechtzeitig eine Aktivität für die Personalabteilung.
Organigramm. Position, Abteilung, Vorgesetzter und Kontaktdaten werden über das Unternehmensorganigramm sichtbar. Kollegen finden so Zuständigkeiten und Durchwahlen, ohne dass die betreffende Person selbst ein Konto hat.
Onboarding, Mitarbeitergespräche und interne Bewerbungen
Aktivitätspläne. Odoo kennt vorgefertigte Pläne für Eintritt, Austritt und Einarbeitung. Der Plan wird auf einen Mitarbeiter angewendet und verteilt die Aufgaben an die zuständigen Kollegen: IT richtet den Arbeitsplatz ein, HR bereitet den Vertrag vor, die Führungskraft plant das erste Feedbackgespräch. Die neue Person ist Gegenstand des Plans, nicht Bearbeiterin — ein Login ist dafür nicht nötig.
Mitarbeitergespräche. Appraisals werden für jeden Mitarbeiter geplant, unabhängig vom Zugang. Ohne Login dokumentiert die Führungskraft das Gespräch im System; die Selbsteinschätzung kann über einen Fragebogen eingeholt werden, der per Link verschickt wird.
Interne Bewerbungen und Versetzungen. Offene Stellen stehen auf der Unternehmenswebsite. Mitarbeiter bewerben sich über dasselbe Formular wie externe Kandidaten und durchlaufen den vollständigen Recruiting-Prozess — Lebenslauf hochladen, Gesprächstermine, Rückmeldung. Beim Abschluss verknüpft Odoo die Bewerbung mit dem bestehenden Mitarbeiterdatensatz.
Operativer Betrieb: Shop Floor, Kassa, Fuhrpark, Empfang
In Produktion und Handel arbeiten die meisten Beschäftigten an gemeinsam genutzten Geräten. Odoo trennt deshalb Geräte-Anmeldung und Personenidentifikation.
Shop Floor. Die Tablet-Oberfläche für die Fertigung läuft auf einem angemeldeten Gerät. Die Werker wählen ihren Namen aus der Liste und bestätigen mit PIN. Sie quittieren Arbeitsschritte, erfassen Mengen und Ausschuss, starten die Zeiterfassung und dokumentieren Qualitätsprüfungen. Die geleistete Zeit wird dem richtigen Mitarbeiter zugeordnet.
Kassa (Point of Sale). Dasselbe Prinzip gilt an der Kassa. Die Session wird einmal geöffnet, danach melden sich die Kassiere per PIN oder Badge an. Jeder Bon trägt den Namen der Person, die ihn kassiert hat — relevant für Abrechnung, Trinkgeld und Nachvollziehbarkeit.
Fahrzeuge und Betriebsmittel. Firmenwagen, Stapler, Laptops, Werkzeuge und Maschinen werden Mitarbeitern zugewiesen. Odoo verwaltet dazu Verträge, Serviceintervalle, Kosten und Rückgabedaten.
Front Desk. Meldet sich ein Besucher am Empfangs-Tablet an, erhält der Gastgeber sofort eine Benachrichtigung per Mail, SMS oder Discuss — auch dann, wenn er selbst keinen Odoo-Zugang hat.
Dokumente, Unterschriften und Mitarbeit im Chatter
Chatter per E-Mail. Das ist die meistunterschätzte Funktion. Wer als Follower auf einem Beleg, Ticket oder Projekt eingetragen ist, bekommt jede Nachricht per Mail — und eine Antwort auf diese Mail landet wieder im Chatter des Dokuments, samt Anhängen. Der komplette Verlauf bleibt am Datensatz, nicht in einzelnen Postfächern.
Dokumentenanforderung. Über die Dokumente-App wird eine Datei angefordert, etwa ein Staplerschein oder ein ärztliches Attest. Der Empfänger erhält einen Upload-Link und lädt die Datei hoch, ohne sich anzumelden. Sie landet direkt im richtigen Ordner mit den richtigen Schlagwörtern.
eSign. Dienstverträge, Zusatzvereinbarungen, Geheimhaltungserklärungen und Übergabeprotokolle werden per Signaturanfrage verschickt. Unterschrieben wird im Browser; das signierte PDF wird automatisch am Mitarbeiter abgelegt.
Belegkopien per Mail. Mitarbeiter lassen sich als Follower auf Aufträge, Bestellungen oder Lagertransfers setzen. Sie erhalten die Bestätigungen automatisch per Mail — nützlich für Monteure, Fahrer und Lagerleitung.
Website, Events, Umfragen — und Formulare für beliebige Datensätze
Produktkatalog. Monteure und Außendienst brauchen Artikeldaten, keinen ERP-Zugang. Über die Website stehen Produkte, technische Spezifikationen, Datenblätter und Preislisten bereit. Mit Portal-Login lassen sich kundenspezifische Preise und Lagerstände einblenden.
Veranstaltungen. Betriebsversammlung, Sicherheitsschulung, Sommerfest, Messeauftritt: Die Anmeldung läuft über die Event-Seite, Tickets und Erinnerungen kommen per Mail. Teilnehmerlisten entstehen automatisch.
Umfragen. Mitarbeiterbefragungen, Zufriedenheitsumfragen, Schulungstests und Sicherheitsunterweisungen werden per Link verschickt. Je nach Konfiguration anonym oder personalisiert, mit automatischer Auswertung und Bestehensgrenze.
Webformulare auf fast jedes Modell. Das ist der stärkste Hebel. Mit dem Formular-Baustein des Website-Builders lässt sich ein Formular bauen, das direkt in ein beliebiges Odoo-Modell schreibt — sofern dieses für Webformulare freigegeben ist.
Typische Anwendungen: Sicherheitsvorfall melden, Verbesserungsvorschlag einreichen, Materialbedarf anfordern, Reklamation erfassen, Spesen nachreichen, Schadensmeldung zum Firmenfahrzeug. Die Einreichung kann anonym erfolgen.
Zwei Hinweise aus der Praxis: Jedes freigegebene Modell ist eine Schreibmöglichkeit von außen — Freigaben gehören einzeln geprüft. Und bei anonymen Formularen ist Spam-Schutz Pflicht, etwa über reCAPTCHA.
Alle Funktionen auf einen Blick
Funktion | Odoo-App | Weg | Mitarbeiter-eintrag nötig | Kosten ab Odoo 20 |
Tickets erstellen | Helpdesk | E-Mail-Alias, Webformular | nein | kostenlos |
Aufgaben erstellen | Projekt | E-Mail-Alias, Webformular | nein | kostenlos |
Wartungs-anfragen melden | Wartung | E-Mail-Alias, Webformular | nein | kostenlos |
Im Chatter mitdiskutieren | alle | Antwort auf die Benachrichtigungsmail | nein | kostenlos |
Belegkopien erhalten | Verkauf, Einkauf, Lager | als Follower eingetragen | nein | kostenlos |
Produkte und Preise abrufen | Website | Katalog, Preisliste im Portal | nein | kostenlos |
Verträge elektronisch signieren | eSign | Signaturlink per Mail | nein | kostenlos |
Dokumente hochladen | Dokumente | Upload-Link aus der Anforderung | nein | kostenlos |
Zu Events anmelden | Veranstaltungen | Website-Anmeldung | nein | kostenlos |
An Umfragen teilnehmen | Umfragen | Link per Mail | nein | kostenlos |
Intern bewerben, Versetzung | Personalbeschaffung | Stellenformular auf der Website | nein, Bewerber genügt | kostenlos |
Beliebige Datensätze anlegen | Website | Formular-Baustein, auch anonym | nein | kostenlos |
Spesen einreichen | Spesen | E-Mail-Alias mit OCR | ja | Light User |
Spesen rückerstattet bekommen | Spesen, Lohn | Lohnlauf oder Zahlung | ja | Light User |
Gehalts-zettel erhalten | Lohn | PDF per Mail, Archiv im Portal | ja | Light User |
Am Attendance Kiosk stempeln | Anwesenheiten | Badge, QR-Code oder PIN | ja | Light User |
Stunden erfasst bekommen | Zeiterfassung | Erfassung durch andere, aus Anwesenheit | ja | Light User |
Schichtplan erhalten | Planung | Mailversand, Token-Link | ja | Light User |
Urlaub beantragen | Abwesenheiten | Webformular oder Antrag durch Vorgesetzte | ja | Light User |
Homeoffice-Tage hinterlegen | Personal | Mitarbeiterdatensatz | ja | Light User |
Im Organigramm sichtbar sein | Personal | Mitarbeiterdatensatz | ja | Light User |
Lebenslauf, Skills, Schulungen | Personal, Lernen | von HR gepflegt | ja | Light User |
Aktivitätspläne (On-/Offboarding) | Personal | andere erledigen die Aufgaben | ja | Light User |
Mitarbeitergespräch führen | Appraisal | Dokumentation durch Führungskraft | ja | Light User |
Fahrzeuge und Equipment nutzen | Fuhrpark, Wartung | Zuweisung im Datensatz | ja | Light User |
Besuchermeldung erhalten | Front Desk | Mail, SMS oder Discuss | ja | Light User |
Arbeitsaufträge abarbeiten | Shop Floor | PIN am gemeinsamen Gerät | ja | Light User |
An der Kassa arbeiten | Point of Sale | PIN oder Badge in der Session | ja | Ausnahme angekündigt |
Was sich zwischen Odoo 18, 19 und 20 geändert hat
Die Grundmechanismen — E-Mail-Alias, Webformular, Kiosk, Portal — gibt es in allen drei Versionen. Unterschiede liegen im Detail, und eine davon ändert die Lizenzrechnung grundlegend.
Ein Hinweis zur Versionszählung: Odoo liefert zwischen den Hauptversionen Online-Releases aus (18.2, 18.3, 18.4, 19.1, 19.4). Einige Funktionen, die gemeinhin Odoo 19 zugeschrieben werden, kamen bereits in einem 18er-Release. Für On-Premise-Installationen auf 18.0 sind sie deshalb nicht verfügbar.
Die wichtigste Änderung: Light User in Odoo 20
Odoo 20 wurde am 24. September 2026 auf der Odoo Experience vorgestellt und bringt mit dem Light User eine vierte Zugangsstufe zwischen Portal- und internem Benutzer. Was das für die Lizenzzählung bedeutet, steht oben im Abschnitt zur Lizenzfrage. Funktional darf ein Light User:
- eigene Personaldaten, Urlaub, Spesen, Anwesenheiten und Mitarbeitergespräche verwalten
- den eigenen Dienstplan und Arbeitsscheine einsehen
- sich als Mitarbeiter in einer POS-Session anmelden
- Knowledge-Artikel lesen
- im Lager Barcodes scannen, optional beschränkt auf die Barcode-App
Nicht erlaubt sind Verkauf, Einkauf, Projekte und Buchhaltung. Für Betriebe mit vielen Produktions-, Lager- und Handelsmitarbeitern ist das der größte Hebel der Version — allerdings kein Ersatz für die kostenlosen Wege: Wer nur meldet, stempelt und unterschreibt, braucht auch in Odoo 20 keine Lizenz. Die Preise unterscheiden sich je Markt und werden über ein Angebot von Odoo oder dem Partner festgelegt.
Versionsvergleich der Login-freien Funktionen
Bereich | Odoo 18 | Odoo 19 | Odoo 20 |
Lizenzstufen | intern, Portal | intern, Portal | zusätzlich Light User |
Attendance Kiosk | eigene Kiosk-URL ohne Datenbank-Login, eigene PWA | Präsenzanzeige bei manueller Auswahl (ab 18.3) | Foto beim Check-in, automatischer Check-out, Pausen direkt am Kiosk |
Überstunden | Grundfunktion | eigene Regelwerke für Mehrstunden und deren Abgeltung | Regelwerke mit Feiertagszuschlägen, eigener Überstundenbericht |
Mitarbeiterprofil | neue Filter im Organigramm | öffentliches Profil mit allen Smart Buttons, optionales Geburtstagsfeld | unverändert |
Mitarbeiter als Portal-Benutzer | ab 18.3 möglich | mehrere Konten je Mitarbeiter; Portal-Benutzer ändern Login und Adressen selbst | unverändert |
Verträge und Angebote | Signaturanfrage an mehrere Mitarbeiter aus der Listenansicht | Vertragsangebote an Mitarbeiter ohne Benutzerkonto versendbar; Mitarbeiter und Vertrag zusammengeführt (ab 18.4) | unverändert |
eSign | Signaturanfrage aus jedem Dokument, Signatur aus dem Chatter (18.4), digitale Zertifikate (18.2) | Liste offener Dokumente für Unterzeichner ohne Portal-Zugang | teilsignierte Dokumente herunterladen, abgeschlossene versiegeln, qualifizierte Signatur |
Schichtplanung | Verfügbarkeit bei wiederkehrenden Schichten | Dienstpläne drucken, Auto-Planung bei flexiblen Zeiten, Plan-Ist-Vergleich (18.3) | unverändert |
Veranstaltungen | Sichtbarkeit wählbar: alle, nur angemeldet, nur mit Link; Anmeldebutton auf jeder Seite | unverändert | unverändert |
Knowledge | — | öffentliche und Portal-Benutzer durchsuchen Artikelinhalte | Light User liest Artikel |
Projektportal | — | Gantt-Ansicht im Portal, private Projekte für Portal freigebbar | unverändert |
Mitarbeitergespräche | — | — | 360-Grad-Feedback von externen Kontakten, Massenaktionen |
Point of Sale | PWA für Kassa und Kiosk | überarbeitetes Kiosk-Interface, Presets | Presets für Lokal, Mitnahme und Lieferung; Light User als Kassier |
Außerdem relevant beim Umstieg auf Odoo 20
Odoo 20 entfernt die Record Rules und legt die Domain direkt auf das Zugriffsrecht. Für Standarddatenbanken vereinfacht das die Rechteverwaltung, bei eigenentwickelten Modulen ist es der Punkt mit dem höchsten Migrationsaufwand. Dazu kommen ein Offline-Modus für Außendienst und Lager sowie AI-Agenten, deren Nutzung über IAP-Credits separat abgerechnet wird.
Wo die Grenze verläuft
Ein interner Benutzer bleibt nötig, sobald jemand regelmäßig im Backend arbeitet. Konkret:
- Datensätze suchen, filtern, in Listen bearbeiten oder exportieren
- Berichte und Dashboards auswerten
- Freigaben erteilen, etwa für Urlaub, Spesen oder Bestellungen
- Belege anlegen, die über die genannten Aliase und Formulare hinausgehen
- Discuss als internes Chatwerkzeug nutzen
- Die mobile Odoo-App im vollen Umfang verwenden
Auch die Umsetzung ist nicht gratis. E-Mail-Aliase, Webformulare, Kiosk-Geräte und Token-Links müssen eingerichtet, abgesichert und getestet werden. Der Aufwand rechnet sich ab einer zweistelligen Zahl betroffener Mitarbeiter — darunter ist eine Lizenz oft die einfachere Lösung.
Datenschutz gehört mitgedacht: Gehaltszettel per Mail, anonyme Formulare und Kiosk-Geräte in Mehrpersonennutzung brauchen eine saubere Regelung zu Zugriffsrechten, Aufbewahrung und Protokollierung.
FAQ: Mitarbeiter ohne Odoo Zugang
Nein, ein Benutzerkonto brauchen sie nicht. Bezahlt wird ab Odoo 20 trotzdem: Jeder aktive Mitarbeiter ohne internen Benutzer zählt als Light User, 7,90 € pro Monat. In Odoo 18 und 19 ist er gratis.
Bis Odoo 19 nichts. Ab Odoo 20 zählt jeder aktive Mitarbeitereintrag, der nicht mit einem aktiven internen Benutzer verknüpft ist, als Light User. Der Listenpreis liegt bei 7,90 € pro Monat und unterscheidet sich je Markt; Light User werden nicht über die Preisseite verkauft, sondern über ein Angebot.
Nein. Verrechnet wird ab dem Upgrade auf Odoo 20. In Odoo 18 und 19 kosten Mitarbeiter ohne Benutzerkonto nichts, auch nicht rückwirkend.
Für Kunden, Lieferanten und sonstige externe Kontakte ja, in jeder Version. Ab Odoo 20 gilt das nicht mehr für die eigenen Mitarbeiter: Ein Mitarbeiter, der nur einen Portal-Zugang hat, fällt unter die Light-User-Definition.
Nein, gezählt werden nur aktive Einträge. Vor einem Upgrade auf Odoo 20 lohnt sich deshalb ein Durchgang durch den Mitarbeiterstamm: Jeder aktive Eintrag, der niemanden mehr abbildet, kostet ab dem Upgrade monatlich Geld.
Ja, über den E-Mail-Alias des Helpdesk-Teams oder Projekts oder über ein Webformular. Dafür genügt ein Kontakt, ein Mitarbeitereintrag ist nicht nötig — diese Funktion bleibt also auch in Odoo 20 kostenlos.
Über den Attendance Kiosk: Ein Tablet läuft im Kiosk-Modus, die Mitarbeiter stempeln per Badge, QR-Code oder PIN. Angemeldet ist nur das Gerät. Aus den Anwesenheiten lassen sich Zeitaufzeichnungen und Überstunden ableiten.
Ja. eSign verschickt die Signaturanfrage an eine E-Mail-Adresse, unterschrieben wird im Browser. Das signierte PDF landet automatisch beim richtigen Datensatz. Ein Konto braucht es dafür nicht.
Nahezu. Der Formular-Baustein des Website-Builders schreibt in jedes Modell, das für Webformulare freigegeben ist — auch anonym. Jede Freigabe ist allerdings eine Schreibmöglichkeit von außen und gehört einzeln geprüft, dazu Spam-Schutz über reCAPTCHA.
Fazit: Lizenzen für Bearbeiter, nicht für Beteiligte
Bis Odoo 19 lautet die Faustregel: Eine Lizenz braucht, wer im System arbeitet. Ab Odoo 20 gilt eine zweite Regel daneben: Wer als aktiver Mitarbeiter in Odoo steht, wird verrechnet — mit oder ohne Login. Kostenlos bleibt, wer gar kein Mitarbeitereintrag ist.
Für die Praxis heißt das zweierlei. Erstens: Geh das Personal rollenweise durch und ordne jede Gruppe einer der vier Zugangsstufen zu. Zweitens, vor einem Upgrade auf Odoo 20: Prüf den Mitarbeiterstamm auf Karteileichen. Jeder aktive Eintrag, der niemanden mehr abbildet, kostet ab dem Upgrade jeden Monat Geld.
Du willst wissen, wie viele Lizenzen dein Betrieb tatsächlich braucht? Wir gehen deine Rollen mit dir durch und zeigen, welche Prozesse sich ohne Login abbilden lassen.
Odoo ohne Login: Was Mitarbeiter ohne Odoo-Zugang alles können